Keine Lust auf Sex

Keine Lust auf Sex: Häufige Ursachen sind Stress, Schlafmangel, depressive Symptome, Angst, Beziehungsprobleme, Schmerzen und Medikamente (insbesondere Antidepressiva aus der Gruppe der Serotoninbeeinflusser oder Betablocker zur Blutdrucksenkung). Sind diese Faktoren ausgeschlossen, sollte an eine hypoaktive sexuelle Luststörung (HSDD, Hypoactive Sexual Desire Disorder) gedacht werden, die durch anhaltend vermindertes sexuelles Verlangen mit relevantem Leidensdruck gekennzeichnet ist. Die HSDD ist von der Asexualität abzugrenzen. Letztere ist eine sexuelle Orientierung, die in der Regel nicht mit Leidensdruck verbunden ist und daher auch keinen Krankheitswert hat.

Mögliche hormonelle Ursachen sind Schilddrüsenstörungen, Hyperprolaktinämie und ein Mangel an Sexualhormonen.

Bei Männern sollte bei entsprechenden Symptomen ein Testosteronmangel abgeklärt werden (morgendliches Gesamt-Testosteron, ggf. Kontrollmessung sowie SHBG, freies Testosteron, LH/FSH und Prolaktin sowie DHEA-S). Eine Testosterontherapie kann die Libido bei Testosteronmangel verbessern. Bei normalen Werten ist sie jedoch nicht angezeigt. Bei einem normalen Testosteronspiegel wird gelegentlich DHEA (25–50 mg pro Tag) eingesetzt.

Bei Frauen spielen Lebensphase und Menopausenstatus eine wichtige Rolle.

Bei prämenopausalen Frauen sollte in der ersten Zyklushälfte (Tag 7 bis 10) ein Testosteron- oder DHEA-S-Mangel abgeklärt und ein Östrogenmangel ausgeschlossen werden (Bestimmung von LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Gesamt-Testosteron, SHBG, freiem Testosteron, Prolaktin und DHEA-S). Eine Testosterontherapie kann die Libido bei erniedrigten oder niedrig-normalen Testosteronwerten erheblich steigern. Dabei werden 5 bis 10 mg Testosteron in Gelform (z. B. Tostran, Testogel) eingesetzt. Eine mögliche Alternative ist DHEA (25 mg pro Tag).

Zu den natürlichen Substanzen, die die Libido verbessern können, zählen Yohimbin Maca, Tribulus terrestris und weitere. Nicht-hormonelle medikamentöse Therapieansätze sind: Bupropion (z. B. Wellbutrin), ein Antidepressivum aus der Gruppe der Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer. Es erhöht die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, ohne die Serotonin-Wiederaufnahme wesentlich zu beeinflussen. Zudem gibt es ein spezifisches Medikament, das in den USA zur Behandlung der HSDD zugelassen ist: PT-141 (Bremelanotid). Es ist ein synthetisches Peptid und Melanocortin-Rezeptor-Agonist. Bremelanotid wirkt zentral steigernd auf sexuelle Motivation/Erregung. Bei Frauen wird Bremelanotid zur Behandlung einer HSDD bei prämenopausalen Frauen eingesetzt; in den USA wird der Wirkstoff unter dem Namen Vyleesi® vertrieben. Es wird bei Bedarf subkutan vor erwarteter sexueller Aktivität verabreicht.

Bei peri- oder postmenopausalen Frauen ist besonders auf vaginale Trockenheit/Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) und andere menopausale Beschwerden zu achten. Bei vaginaler Trockenheit oder Schmerzen kann eine lokale Östrogentherapie indirekt die Sexualität deutlich verbessern. Ansonsten sollten folgende Laborwerte bestimmt werden: LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Gesamt-Testosteron, SHBG, freies Testosteron und DHEA-S). Bei einem Sexualhormonmangel und vorhandenem Leidensdruck wird zunächst ein klassischer Hormonersatz, der auf Östrogen und Progesteron basiert, begonnen. Eine adäquate Östrogentherapie kann die Libido deutlich steigern. Je nach Situation gibt es bei anhaltend verminderter sexueller Lust weitere spezifische Therapieoptionen. Nach sorgfältiger Abklärung kommt eine Testosterontherapie auch für postmenopausale Frauen mit HSDD jederzeit infrage. Eine mögliche Alternative ist die Einnahme von DHEA (25 mg pro Tag).